NaturN@h - Leben im Einklang mit der Natur
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NATURZAUBER trifft POESIE

NATURZAUBER trifft POESIE




Die Natur braucht sich nicht anzustrengen, bedeutend zu sein.
Sie ist es.


(Robert Walser 1878-1956)



Segensgebet der Hildegard von Bingen

(1098 - 1179) deutsche Mystikerin,
Äbtissin und Naturwissenschaftlerin, katholische Heilige


Die Seele ist wie der Wind,
der über die Kräuter weht,
wie der Tau, der über die Wiesen sich legt,
wie die Regenluft, die wachsen macht.




Ein Wind sei er, der den Elenden hilft,
ein Tau, der die Verlassenen tröstet.
Er sei wie die Regenluft,
die die Ermatteten aufrichtet
und sie mit Liebe erfüllt wie Hungernde.



Desgleichen ströme der Mensch
ein Wohlwollen aus auf alle,
die da Sehnsucht tragen.

 



NUR EINE STUNDE IM GRÜNEN WALD


 



Nur eine Stunde von Menschen fern,
Nur eine einzige Stunde!
Statt der tönenden Worte des Waldes Schweigen,
Statt des wirbelnden Tanzes der Elfen Reigen,
Statt der leuchtenden Kerzen den Abendstern,
Nur eine Stunde von Menschen fern!

 
Nur eine Stunde im grünen Wald,
Nur eine einzige Stunde!
Auf dem schwellenden Rasen umhaucht von Düften,
Gekühlt von den reinen balsamischen Lüften,
Wo von ferne leise das Echo schallt,
Nur eine Stunde im grünen Wald!
 
Nur eine Stunde im grünen Wald,
Nur eine einzige Stunde!
Wo die Halme und Blumen sich flüsternd neigen,
Wo die Vögel sich wiegen auf schwankenden Zweigen,
Wo die Quelle rauscht aus dem Felsenspalt,
Nur eine Stunde im grünen Wald!

Auguste Kurs
(1815-1892)


 

SCHNEEBEDECKT
 


Unterm Schnee ein Träumen.
Träumen in die kommende Zeit,
in eine neue Wirklichkeit.

Unterm Schnee ein Ahnen.
Ahnen, wie gelebtes Leben,
wie Wärme ist und Helligkeit.

Unterm Schnee ein Wissen.
Wissen um ein sanftes Weben,
wachsen für ein neues Leben.


Else Pannek (1932-2010)


Nachdem...

...Und immer noch blühen
die Rosen –
und sind schön
und sind still
und stehen
und sind

und immer noch blühen
die Rosen –
und denken das Schweigen
und lächeln das Welken
und sinnen das Sein
und fürchten sich nicht in der Nacht.

 






...: und immer noch
blühen
noch immer
die Rosen
und...


 

Fridolin Stier (1902-1981)

 „Buch der Ruhe und der Stille“

Aster Novae Angligae

Dein grünes Filigrangefieder
entfaltete sich lange Zeit,
und nun, da herbstlich grüßt das Jahr
bist du, noch grünend, wunderbar
zu erstem Blühen still bereit.

Ich stehe staunend hier
und frag’ mich immer wieder:
Was wirkt in dir?
Wer komponiert die Lieder,
die nun zur rechten Zeit,
da alles schweigt, gesungen?
Wer hieß dich warten,
gab das Stichwort: Sei bereit
und schließt den Vorhang,
wenn der letzte Ton verklungen.

© Ingrid Herta Drewing